Kiefergelenkstherapie

Kiefergelenkstherapie

Die meisten unserer Patienten werden nach langem Leidensweg von einem anderen Facharzt, meist einem Orthopäden oder einem Hals-, Nasen- und Ohrenarzt zu uns überwiesen.

Oft werden vom Patienten Knack- oder Reibegeräusche wahrgenommen. Diese Geräusche werden von einer kleinen Knorpelscheibe, dem sogenannten Diskus, verursacht. Sie können in Verbindung mit Schmerzen ein Anzeichen einer Fehlbelastung oder einer Degeneration des Kiefergelenks. Selten können sich die Patienten vorstellen, dass ihre anderen Leiden auch damit verbunden sind.

Ohrgeräusche können durch Fehlbelastungen im Kiefergelenk hervorgerufen werden. Ursache ist die enge anatomische Beziehung des Kiefergelenks mit Strukturen, welche zum Mittel- und Innenohr ziehen.

Schmerzen und Verspannungen in der Nackengegend können ebenfalls von Fehlfunktionen des Kiefergelenks kommen. Die Gesichts- und Kaumuskulatur bildet zusammen mit den Nackenmuskeln ein kompliziertes zusammenhängendes System. Störungen in einer Komponente, wie z.B. in den Kaumuskeln, werden immer das gesamte System beeinflussen.

Kiefergelenksprobleme entstehen dadurch, dass die Gelenkköpfchen nicht in ihrer idealen Lage liegen. Das führt zu einer dauernden Überbelastung der Gelenke und der umliegenden Strukturen. Die Muskeln verspannen sich in dieser Position und lassen keine normale Lage der Kiefer mehr zu. Dies gilt insbesondere bei gleichzeitig vorhandenen Parafunktionen, wie Knirschen oder Pressen.

Beschwerden im Bereich der Kiefergelenke und der Muskulatur (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD)

I. Ihr erster Besuch bei uns aufgrund dieser Beschwerden

1. Untersuchung und Befunderhebung

Zunächst gilt es, bei der Erstvorstellung eine gründliche Vorgeschichte zu erheben und durch gezielte Fragen die Problematik einzugrenzen. Das Beschwerdebild ist dem Formenkreis der „craniomandibulären Dysfunktion (CMD)“ zuzuordnen. Dabei möchten wir u.a. folgende Fragen stellen:

  • Bestehen dysfunktionelle Geräusche wie Kiefergelenk-Knacken oder Gelenkknirschen?
  • Welche Folgen haben „Knirschen“ oder „Pressen“?
  • Gibt es muskuläre Schmerzen oder schon länger bestehende Kopfschmerzen?
  • Ist die Mundöffnung gelegentlich oder dauerhaft eingeschränkt (Kieferklemme)?
  • Kam es schon einmal zu einer Sperre (Unterkiefer lässt sich nicht mehr schließen)?
  • Bestehen dauerhafte störende Ohrgeräusche?

Womöglich waren Sie bereits in HNO ärztlicher Untersuchung um Ursachen von Seiten des Gehörganges auszuschließen. In der Folge werden wir den Gebissbefund erheben. Dazu wollen wir auch das Verhältnis der beiden Zahnbögen zueinander im geschlossenen Zustand sowie den Abstand der Frontzähne dokumentieren. Es folgt ein kurzer Muskelbefund sowie die Beurteilung des Weges des Unterkiefers bei der
Mundöffnung. Zur Ergänzung des Befundbildes wird ggf. eine Panoramaschichtaufnahme oder ein gezieltes Bild der Gelenksituation erstellt. Hierbei wird digitale Röntgen Technik mit geringster Strahlenexposition angewendet.

Alle oben genannten Maßnahmen werden von uns im Rahmen der Kassenversorgung durchgeführt.

2. Entlastungsschiene und Verordnung von Physiotherapie

Um Sie zeitnah zu versorgen, können wir, falls die Indikation besteht, sofort Kiefer Abformungen für eine entsprechende Entlastungsschiene herstellen. Diese wird durch das hauseigene Labor innerhalb weniger Arbeitstage angefertigt. Die Schiene wird durch einige Kassen antragsfrei erstattet. Oder durch uns direkt bei Ihrer Kasse beantragt. In diesem Fall sind einige Tage Wartezeit bis zur Genehmigung des Antrages hinzunehmen. Statt Abformungen sind auch digitale Scans möglich, die wir auf Nachfrage mit Ihnen außerhalb der Kassenversorgung entsprechend der Gebührenordnung vereinbaren.

Sollte Physiotherapie zur Versorgung nötig sein, wird durch uns eine Verordnung zur Physiotherapie ausgedruckt und Ihnen direkt mitgegeben. Die physiotherapeutische Praxis sollte in den therapeutischen Angeboten eine Ausbildung zur CMD Therapie nachweisen können. Entlastungsschiene und die Verordnung zur Physiotherapie können wir im Genehmigungsfall im Rahmen der Kassenversorgung anbieten.

II. Ganzheitliche Betrachtung

1. Der falsche Biss

Über Jahre hinweg passt sich die Kaumuskulatur an einen falschen Biss an. Einzelzahnfehlstellungen oder die Position des Unterkiefers nach Wachstumsabschluss bedingen eine ständige zusätzliche muskuläre Anstrengung, um die Zahnbögen aufeinander zu setzen oder die Kauarbeit zu leisten. Bereits geringste Fehlkontakte zwischen den oberen und unteren Zähnen stören das freie Spiel der Kau- und Haltekräfte und führen zu Verspannungen.

Häufig korrelieren Kreuzbiss, Tiefbiss, offener Biss, Frontzahnstufe, Mittenabweichung mit entsprechenden Beschwerden. Die Kiefergelenke gelangen in eine fehlerhafte Position. Die funktionelle Muskulatur versucht, dies auszugleichen und arbeitet permanent. Zähne können übermäßig abgenutzt werden. Der gesamte Bewegungsapparat wird über Muskel- und Faszien Ketten negativ beeinflusst. Auslöser sind zum Beispiel Stressphasen, längere zwangsweise Mundöffnung aufgrund notwendiger zahnärztlicher Behandlung, Verlust von Stützzähnen oder Füllungen oder sonstige akute oder degenerative Faktoren. Hierbei kann es beispielsweise zu einer zunächst unbemerkten Verschiebung von mobilen Strukturen innerhalb der Kiefergelenke (Diskusdislokation) kommen.

Funktionsstörungen der Kiefergelenke sind auch als ganzheitliche Funktionsstörungen des Bewegungsapparates zu verstehen und setzen sich oftmals in symptomatischen Beschwerden der Halte- und Stützfunktionen fort. Zu Beginn einer Dysfunktion stehen vielfältige Ursachen. Sie können zum Beispiel durch eine falsche Lage des Gelenkköpfchens zur Gelenkgrube oder eine fehlerhafte Zahnstellung entstehen. Das führt zu einer dauernden Überlastung der Gelenke und der umliegenden Strukturen (beteiligte Muskeln, Sehnen, Bänder).

Oft äußern sich Probleme mit dem Kiefergelenk zunächst als Knack- oder Reibegeräusche. Auch Schmerzen und Verspannungen in der Nackengegend können von Fehlfunktionen des Kiefergelenks ausgelöst werden. Die Gesichts- und Kaumuskulatur bilden zusammen mit den Nackenmuskeln ein kompliziertes zusammenhängendes System. Störungen in einer Komponente, wie z.B. den Kaumuskeln, werden immer das gesamte System beeinflussen. Sogar Ohrgeräusche können durch Fehlbelastungen im Kiefergelenk hervorgerufen werden. Es besteht eine enge anatomische Beziehung des Kiefergelenks mit Strukturen des Mittel- und des Innenohrs.

Da sich das Kiefergelenkstörungen so vielfältig äußern können, werden manchmal Patienten von einem anderen Facharzt, meist einem Orthopäden oder einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu uns überwiesen.

2. Weitergehende Diagnostische Angebote
  • Wie ist der Oberkiefer im Kausystem positioniert? Hierzu dient die Übertragung der anatomischen Lage des Oberkiefers in ein Modell durch Anlegen eines Gesichtsbogens. Die Herstellung der Schiene kann nun in Bezug zur anatomischen Struktur erfolgen und wir können das Oberkiefermodell im richtigen Winkel in den Artikulator (Gerät zur Simulation von Kieferbewegungen) einbauen.
  • Registrieren der Zentrallage des Unterkiefer nach neuromuskulärer Positionierung: Die Bissnahme mit plastischem Material erfolgt nach Anlegen von Reiz-Strom (T.E.N.S.) in einer speziellen Frequenz für die Kaumuskulatur.
  • Dazu zählt auch die digitale Darstellung der Kontaktpunkte zwischen Ober- und Unterkiefer im Ist-Zustand. Nach dem Einscannen beider Zahnbögen werden virtuelle Modelle erstellt.
  • Bissregistrierung unmittelbar nach Vorbereitung in einer physiotherapeutischen oder ostheopathischen Praxis: Beim ersten Zubeissen wird die gelockerte und von Blockaden befreite Stütz- und Bewegungsmuskulatur durch den falschen Biss wieder ungewollt in die falsche Lage zurückversetzt. Wir bitten Sie daher auf dem Weg in die Praxis einen „Aqualizer“ (https://aqualizer-shop.de/) oder Ähnliches zu tragen. Bei uns in der Praxis werden wir dann unmittelbar vor der Bissnahme den Aqualizer entnehmen.
  • Sollte ein MRT indiziert sein, sind wir in der Lage, nach den Messungen, die sich aus dem MRT ergeben und in Absprache mit dem Röntgenologen, eine entsprechende Schiene herzustellen.
  • Kiefergelenkdiagnostik (manuelle Funktionsanalyse): Wir können zusätzlich unsere Patienten durch spezielle manuelle Test untersuchen, um verdeckte Funktionsstörungen des Kausystems zu erkennen. Zur weiteren Diagnostik werden Gipsmodelle und Röntgenaufnahmen angefertigt. Die Gesichtsbogenübertragung ist erforderlich, um später im Labor am Modell die vorhandenen Situation simulieren zu können und damit eine optimale individuelle Schiene herzustellen.
3. Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion mit Schiene, Aufbissbehilfen oder im Rahmen einer Kieferorthopädischen Korrekturbehandlung. (Erstellung eines Heil- und Kostenplanes nach der Gebührenordnung, keine Kassenleistung)
  • Herstellung einer individualisierten Schiene mit definiertem Behandlungsziel. Hierbei wird die Oberfläche ihrer Schiene individuell gestaltet, so dass der Biss beim Zubeißen in die richtige Position gelenkt wird.
  • Festsitzende Aufbissbehelfe auf den Kauflächen: Der Biss wird in eine biologisch definierte, muskelgeführte Position gelenkt. Bei dieser Methode besteht die Möglichkeit, die Zahnkorrektur entlang dieser festsitzenden Aufbisse nach und nach an die neue, bessere Position anzupassen.
  • Kieferorthopädische Behandlung mit systematischen Schienen (Alignern) zur Erlangung eines optimal balancierten Kausystems nach ästhetischen und funktionellen Parametern: Dabei handelt es sich um einen zunächst virtuell dargestellte Zahnkorrektur des Gebisssystems. Das Behandlungsziel kann sanft und komfortabel erreicht werden. Der Ablauf wird Ihnen am Bildschirm in Form eines Behandlungsfilms (ClinCheck) dargestellt.
  • T.E.N.S. Behandlung (elektro-muskuläre Entspannung): Insbesondere bei vorhandenen Parafunktionen, wie Knirschen oder Pressen, verspannen sich die Kiefermuskeln und lassen keine korrekte Lage der Kiefer zueinander zu.
    Eine spezielle Entspannungstherapie (T.E.N.S.) sowie ein Gesichtsbogen sind erforderliche Instrumente zur präzisen Diagnostik und optimalen Therapieplanung bei Funktionsstörungen im Bereich des Kausystems. T.E.N.S. führt über eine durch elektrische Impulse ausgelöste Stimulation zu einer Entspannung der Kaumuskulatur. Dadurch positioniert sich der Unterkiefer in seiner idealen myozentrischen Position. Diese myozentrische Unterkieferposition hilft bei der Therapie von Kiefergelenkerkrankungen oder chronischen Verspannungen und ist ein nützliches zusätzliches Diagnostikmittel bei fast jeder unserer Therapien. Für die Entspannungstherapie (T.E.N.S.) werden 4 selbstklebende Elektroden und ein Gelkissen zur temporären Entspannung der Kaumuskulatur benötigt. Die Entspannungstherapie dauert ca. 20 Minuten.

III. Versicherungsrechtliche Aspekte

Der gesetzlich versicherte Patient hat, auf Grund der derzeit bestehenden Verträge im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung, Anspruch auf eine „notwendige, ausreichende und wirtschaftliche“ kieferorthopädische Versorgung. Darüber hinaus gehende Leistungen dürfen von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden. Sie unterliegen der freien und privaten Vereinbarung zwischen Patient und Kieferorthopäde. D.h. die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Dennoch möchten wir unseren Patienten Möglichkeiten als Privatleistung anbieten.

Individuell kann hier ein Kostenvoranschlag angefertigt werden. Hier können verschieden Ziele und Behandlungsmethoden gewählt werden. Ziele können z.B. eine akute Schmerzlinderung oder auch eine langfristige Behandlung sein. Dies wird mit dem Behandler besprochen um das bestmögliche Ziel zu erreichen.

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